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Magdalenien
Die Magdalénienschichten im Hohle Fels sind durch Rinnen aus der Höhlenhalle stark gestört. Sie haben einige Tausend Knochenfunde und Steinartefakte erbracht. Dazu kommen zahlreiche Schmuckstücke und organische Artefakte. Diese Funde bilden ein bedeutendes Fundinventar des südwestdeutschen Magdalénien. Angesichts der kleinen Grabungsfläche von bisher lediglich 30 m2 ist dieser Fundreichtum bemerkenswert und belegt eine intensive und vielseitige Nutzung der Höhle.
Das Magdalénien wurde nach der Fundstelle La Madeleine in Südwestfrankreich benannt und umfasst etwa den Zeitraum von 11.000 bis ca. 15.000 vor Heute. Im Hohle Fels gibt es C14-Daten aus dem Magdalénien von ca. 12.500 und 13.000 vor Heute.
Die Steinartefakte vom Hohle Fels sind in der Regel aus lokalem Weißjura-Hornstein und Radiolarit, der in den nahe liegenden Schottern vorkommt. Mit deutlich geringeren Anteilen sind Bohnerzhornstein, Muschelkalkhornstein und Keuperhornstein präsent. Besonders erwähnenswert ist die Nutzung von Rohmaterialien wie bayerischem Plattenhornstein und tertiärem Silex aus dem Randecker Maar, da sie Ferntransporte belegen. Unter den Steinwerkzeugen des Magdalénien befinden vor allem sich Kratzer, Stichel, Bohrer, zahlreiche Rückenmesser und einige Rückenspitzen.
Das Magdalénien im Hohle Fels erbrachte viele hochwertige Schmuckobjekte. Vor allem wurden einige Dutzend kleine, fossile Schnecken gefunden, die aus dem Mainzer oder Pariser Becken stammen und durch Tauschhandel oder Ferntransport ins Aachtal kamen. Die Schmuckschnecken waren offenbar alle mit Hämatit (Rötel) rot eingefärbt. Zudem wurden zahlreiche angekerbte Rentierzähne gefunden, die möglicherweise auf der Kleidung aufgenäht waren. Gebohrte Hirschgrandl (Eckzähne des Rothirsch) sind ebenfalls mehrfach belegt. Elfenbeinschmuck fehlt bisher, wurde aber offenbar im Hohle Fels hergestellt, da ein gekerbtes Elfenbeinband gefunden wurde, das als Halbfabrikat der Serienproduktion von Elfenbeinanhängern angesehen wird. Auch Fossilien, wie kleine Ammoniten (aus dem Braunjura) und Dentalien wurden entweder aufgenäht auf die Kleidung oder als Schmuckstücke getragen.
Abbildungsnachweis: 1) , 2), 3), 4) und 6) Institut für Ur- und Frühgeschichte Tübingen, 5) Zeichnung Burkhardt Pfeifroth
Text: Kurt Langguth





