PostHeaderIconUNESCO - Welterbe

Der Hohle Fels wurde am 9. Juli 2017  in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Zusammen mit der Schelklinger Schauhöhle kamen im Achtal der Sirgenstein und das Geißenklösterle, im Lonetal Bockstein-, Hohlenstein- und Vogelherdhöhle auf die Liste. In diesen sechs Höhlen wurden zahllose Beispiele für das kunsthandwerkliche Geschick der frühen modernen Menschen in Süddeutschland gefunden. Beispielhaft zu nennen sind die Venus und die Geierflöte aus dem Hohle Fels, Adorant und Schwanenflöte aus dem Geißenklösterle, der Löwenmensch aus der Hohlenstein Stadel-Höhle, Mammut, Löwe und Pferd aus der Vogelherdhöhle.
 
An dieser Stelle soll auf die Forschungsgeschichte im Hohle Fels und Geißenklösterle eingegangen werden, die eng mit der Geschichte der Museumsgesellschaft Schelklingen e.V. verbunden ist. Zwei Schelklinger haben Anteil daran, dass in diesen beiden Höhlen von Archäologen gegraben wurde und wird.
 
Als Robert Rudolph SCHMIDT 1906 im Sirgenstein grub, untersuchte er auch den Hohle Fels. Da die erwarteten Funde in der großen Halle ausblieben, galt die Höhle von nun an in Archäologenkreisen als „ausgegraben“. Das Geißenklösterle war als steinzeitlicher Wohnplatz noch nicht erkannt.
 
Das änderte sich 1957, als Reiner BLUMENTRITT, damals Schüler aus Schelklingen, das Geißenklösterle als archäologische Fundstelle entdeckte. Er half zu dieser Zeit Gustav RIEK bei den Ausgrabungen in der Brillenhöhle oberhalb Blaubeuren-Weiler. 1963 führte RIEK eine Sondage im Geißenklösterle durch und erkannte das Potential der Fundstelle.
1973 setzte Eberhard WAGNER die Sondage bis zur Felswand fort. Zusammen mit Joachim HAHN begann er ab 1974 mit systematischen Ausgrabungen, die bis 1991 weitergeführt wurden und Aufsehen erregende Funde zu Tage brachten. 2001/02 brachten Nicholas CONARD und Hans-Peter UERPMANN vom Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen die Ausgrabungen zu einem vorläufigen Abschluss.
 
Im Hohle Fels ging die Initiative für neue Grabungen 1958 von der Schelklinger Heimatforscherin Gertraud MATSCHAK (1907 - 1970) aus. Sie hatte zuvor in der bis dahin unbeachteten Eingangshöhle archäologische Funde gemacht. Zusammen mit Gustav RIEK grub sie von 1958 bis 1960 in diesem Bereich, der sich entgegen den Erwartungen als fundträchtig erwies. Als Joachim HAHN wenige Jahre später im Geißenklösterle grub, untersuchte er auch die Riek'sche Grabung im Hohle Fels. Die dabei getätigten Funde waren so vielversprechend, dass das Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen unter Leitung von HAHN ab 1977 in jährlichen Grabungskampagnen die Fläche weiter untersuchte. Vor Ort unterstützt wurden die Grabungen durch Reiner BLUMENTRITT und die Stadt Schelklingen, ab 1985 auch durch die Museumsgesellschaft Schelklingen. Nach der schweren Erkrankung und dem frühen Tod von Joachim HAHN  (1942–1997) standen die erfolgreichen Ausgrabungen 1997 vor dem Aus. Die Grabung sollte konserviert, die Grabungsfläche zugeschüttet werden. Nur, Erfahrung mit der sachgerechten Durchführung einer solchen Maßnahme hatte zu der Zeit niemand.
Deshalb wandte sich die Museumsgesellschaft Hilfe suchend an das Werk Schelklingen der HeidelbergCement AG. In dessen Leiter Hans-Georg KRAUT fand sie einen kompetenten und sehr interessierten Fachmann und Partner. Durch die Zusage der HeidelbergCement AG, die Ausgrabungen zu unterstützen und teilweise mit zu finanzieren, konnte die Einstellung abgewendet werden. Unter der neuen Leitung von Nicholas CONARD finden seit 1997 jährliche Ausgrabungscampagnen von sechs bis acht Wochen statt. Lohn der akribischen Arbeit der Grabungsmannschaften sind über 80 000 Steinwerkzeuge, über 300 Schmuckstücke aus Elfenbein und anderen Materialien, dazu Werkzeuge aus Horn und Knochen, sowie bemalte Steine. Letztere sind eine Fundgattung, die bis zu ersten Funden von HAHN im Geißenklösterle und den Funden im Hohle Fels in mitteleuropäischen Höhlen unbekannt war. 
 
Spätestens seit dem Fund der Venus vom Hohle Fels im Jahre 2008 fanden die einmaligen Funde weltweite Aufmerksamkeit. Die Fachwelt erkannte, dass in den Höhlen des Ach- und Lonetals vor etwa 40 000 Jahren ein kultureller „Urknall“ stattgefunden haben musste. Allein die Aufmerksamkeit im Lande, vor allem auf der politischen Ebene, war alles andere als angemessen. 
 
  • Im April 2009 beschlossen Interessenvertreter aus Wissenschaft, Vereinen und Gemeinden, die Höhlen im Ach- und Lonetal für eine Nominierung als Weltkulturerbe ins Spiel zu bringen. Bereits 2010 stellten sich die Landkreise Alb-Donau, Heidenheim und Ulm hinter dieses Vorhaben. Ein Förderverein „Eiszeitkunst“ wurde gegründet, um das Vorhaben voran zu treiben und die Höhlen ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.
  • Im Februar 2012 begannen am Landesamt für Denkmalpflege die Arbeiten an einem Welterbeantrag, die im Dezember 2012 in die Einreichung eines Tentativlistenvorschlages bei der Kultusministerkonferenz mündeten.
  • Im Februar 2014 wurde die Dachmarke „Welt-Kult-Ursprung“ für die Höhlen im Ach- und Lonetal gegründet und eine Wanderausstellung über die Höhlen und ihre einmaligen Funde auf den Weg gebracht. Im gleichen Jahr besichtigte auch eine Expertenkommission der Kultusministerkonferenz die sechs Höhlen und die Fundlandschaft. Daraufhin wurden im Juni die „Höhlen mit der ältesten Eiszeitkunst“ auf Platz 1 von 31 der deutschen Tentativliste für eine Anerkennung als Weltkulturerbe gesetzt. Bereits im September trafen sich alle Beteiligten in Rammingen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.
  • Im Januar 2016 wurde der deutsche Antrag beim World Heritage Centre eingereicht. Im Sommer des Jahres gab eine Kommission der ICOMOS, dem nichtstaatlichen internationalen Rat für Denkmalpflege, ihre befürwortende Stellungnahme an das Welterbe-Zentrum ab. Dann begann das gespannte Warten, wie das UNESCO-Welterbekomitee bei seiner 41. Sitzung Anfang Juli 2017 im polnischen Krakau entscheiden würde.
 
Die Höhlen wurden am Sonntagmittag des 9. Juli 2017 unter dem Titel „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ in die Liste des UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Die Museumsgesellschaft Schelklingen freut sich mit der ganzen Region über diese Anerkennung. Sie würdigt nicht nur die einmaligen Funde, sondern sie bestätigt auch zahlreiche Profis und Ehrenamtliche in ihrer beharrlichen Arbeit an der Erforschung der menschlichen Geschichte.
 
Am Abend des 29.12.2017 wurde im Landratsamt Ulm die UNESCO-Urkunde für die "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb" von der Staatsministerin und UNESCO-Sonderbeauftragten Maria Böhmer an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut übergeben.